Don’t worry… be happy – 2 Monate Au Pair in Irland. Ein Erfahrungsbericht

Die Idee, als Au Pair ins Ausland zu gehen, hatte ich schon vor zwei Jahren. Damals plante ich, Erasmus in einem anglo- und Au Pair in einem frankophonen Land zu machen. Natürlich kam alles anders und am 09.07.2015 stieg ich in den Flieger nach Dublin.

1 || Sprachlos im Sprachenstudium.

Au Pair sein schien für mich die Möglichkeit zu sein, eine Zeit in einem fremden Land zu verbringen, dabei Unterkunft und Nahrung bereitgestellt zu bekommen und zusätzlich noch Geld zu verdienen. Als Translationswissenschafts-Studentin sind Auslandsaufenthalte… zwar nicht vorgeschrieben, aber trotzdem so etwas wie eine freiwillige Pflichtspende.  Außerdem bin Ich der festen Überzeugung, dass man eine Sprache wirklich nur flüssig sprechen kann, wenn man eine Zeit lang im Ausland lebt. Auf der Uni wird das nix. Nicht mal im Sprachenstudium. Paradox, oder?
Ich liebe es, zu reisen und zu fotografieren. Und neue Menschen kennenzulernen, mit Kindern zu arbeiten. Ein Au Pair Aufenthalt schien wie für mich gegossen zu sein.

Meine leicht übertriebene Vorsicht hat mich dazu geleitet, mich bei einer Agentur anzumelden und mir die Au Pair Familie vermitteln zu lassen. “Mach’ das ja nicht für dich allein”, haben sie mir gesagt, “du weißt nie, wie die Familie wirklich tickt”. Da schien die einzige Lösung zu sein, 200€ für eine Au Pair-Agentur auszugeben. Ich habe die Entscheidung nie wirklich bereut… aber ganz ehrlich, i hätt’s ma auch spoan kennan.

Viele der Au Pairs, die ich kennengelernt habe, haben ihre Familie über aupairworld kennengelernt. Hinterher ist man immer schlauer.

Whatever. Meine Agentur vermittelt mich also erfolgreich an eine Familie in Irland. Zwei Monate werde ich dort bleiben, einen davon werde ich in ihrem “holiday resort close to the sea” verbringen, den anderen in Dublin. Die vierköpfige Familie schrieb auch in ihrem Einladungsbrief, dass sie zusätzlich eine Nanny hätten, der ich unter die Arme greifen müsste. Beim Skype-Gespräch haben wir uns gleich gut verstanden, die Kinder winkten aus dem Riesen-Garten, die Mutter saß in der Riesen-Küche. Als Börsenmaklerin und Anwalt kann man sich ruhig auch mal was leisten.

Drei Tage später, das Telefon klingelt. Eine freundliche, mir schon bekannte Stimme meldet sich. Es ist die Agentur, die mir bestätigt dass mich die Familie als ihr Au Pair aufnehmen möchte. Jackpot geknackt.

2 || Boarding now. 

Zwei Wochen, nachdem ich die Familie gefunden hatte, stieg ich in den Flieger. In der einen Hand der Reisepass, in der anderen das Nackenhörnchen. Aer Lingus hatte die Aufgabe, mich sicher auf die Insel zu bringen. Mein Koffer war voll, meine Erwartungen hoch und die Beine des Passagiers hinter mir zwischen meinen Wirbeln. Nach zweieinhalb Stunden ruckeligem Flug und mehreren überquerten Gewässern landete ich auf irischem Boden.

3 || Kulturschock.

Ankunft Dublin Flughafen 11:15, mein Magen grummelte schon. Schnell dem nervösen Papa schreiben, dass ich gelandet bin. Kurz darauf saß ich auch schon im Taxi. Immer noch mit dem Reisepass in der Hand, als bräuchte ich den für die Fahrt. Ich starre aus dem Fenster. Bestaune die in ihrer Form, Varietät und Farbgebung einzigartigen Häuser; beobachtete, wie die Sonnenstrahlen durch die Blätter tanzen. Lasse meine Augen über die noch vom Regen glitzernden Straßen gleiten. “You will have a good time”, beruhigte mich der Taxifahrer.

Dann ging’s um die Ecke und schon sah ich eine Frau mit blondem Haar und einer sportlichen Figur aus einem dieser wunderschönen Häuser kommen. Ich wurde in die Arme geschlossen. Die Kinder begrüßten mich. Da ist ja auch der große Garten und die moderne Küche! Ich war endlich angekommen.

4 || Tage voller Erlebnisse, Arbeit, Freude und Trauer.

W h a t   d i d   I   a c t u a l l y   e x p e c t ?

Ich muss ehrlich sein, zu viel. Der Bewerbungsbrief hat mich etwas getäuscht und ich habe mir alles viel zu schön vorgestellt. Aber wer tut das denn nicht, wenn da steht, dass man in einem “holiday resort” im sonnigsten Ort Irlands wohnen wird? Wenn man davon ausgeht, alles zusammen mit der Nanny machen zu können? In einem wunderschönen Haus in Dublin zu wohnen und 100€ plus extra money for extra hours zu verdienen?

Falls es gerade so rüberkommt, als wäre mein Aufenthalt schrecklich gewesen: Das war er ganz und gar nicht. Ich habe meine Zeit in Irland mehr als nur genossen, so viele neue Leute kennengelernt und eine unvergessliche Zeit gehabt. Aber mehr dazu später.

Die ersten vier Wochen habe ich also, wie oben schon erwähnt, im Ferienhaus in Rosslare Strand, Wexford verbracht. Ein kleiner Ort, “wir” hatten dort ein Bungalow, der so groß war die die Wohnung, in der ich mit meiner Familie in Wien wohne.

Mein Tagesablauf war dort wie folgt:

7:45. Wecker klingelt.

8:00. Schmutzwäsche aus den Zimmern holen. Waschmaschine aufdrehen, gewaschene Wäsche aufhängen.

8:20. Frühstück.

Zwischen 8:30 und 13:00:

  • Wohnzimmer aufräumen
  • Fenster öffnen
  • Küche vom Vorabend reinigen
  • Frühstück zubereiten
  • Frühstück wegräumen
  • Küche reinigen
  • Böden wischen
  • 2x Badezimmer reinigen
  • 2x Kinderzimmer aufräumen, säubern
  • Betten machen
  • Mistkübel ausleeren
  • Wäsche reinholen
  • Wäsche falten
  • Bügeln
  • Andere anfallende Arbeiten wie Küchenkästen putzen oder den Kühlschrank sortieren etc.

Warum ich nicht Familie gewechselt habe? Ein Au Pair ist keine Putzkraft? Stimmt. Ich hätte die Familie auch gewechselt, wäre ich dort länger als zwei Monate geblieben. Da ich mich aber so gut mit den Kindern, vor allem dem Mädchen (7) verstanden habe, mit der Nanny und den Kindern eine unfassbar tolle Zeit verbracht habe und viele andere Au Pairs sowohl in Wexford, als auch in Dublin kennengelernt habe, bin ich geblieben. Obwohl ich mir doch oft gedacht habe: “Sch****, was mach’ ich da?” Dazu kam noch, dass die Gastmutter eine wahnsinnig hektische Person ist. Wenn sie mir etwas erklärt hat, tat sie das in einer unwahrscheinlichen Geschwindigkeit. So schnell, als würde man das Band mit dreifacher Geschwindigkeit vorspulen.

Ich habe immer vormittags, ungefähr bis 14:00 gearbeitet. Meist hatte ich mittwochs und sonntags frei. Zwei Mal in der Woche habe ich außerdem abends “gebabysittet”.

Die Ausflüge, Spaziergänge am Strand, die Zeit mit den Kindern und der Nanny, das Fotografieren; all diese Erlebnisse waren einfach unbeschreiblich schön. Ich habe meine Zeit genossen; ich habe nach ein paar Wochen wirklich flüssig Englisch gesprochen, ohne dabei bei jedem Wort nachdenken zu müssen. Kinder in der Ortschaft haben mich gefragt, seit wie vielen Jahren ich schon in Irland als Au Pair arbeite. Als ich ihnen erklärt habe, dass es erst meine dritte Woche wäre, haben sie es mir nicht geglaubt.

Zu meinem Geburtstag am 12. August haben alle Kinder der Ortschaft und all meine lieben Au Pair-Bekannten mit mir gefeiert, mir Torten gebacken und Geschenke gekauft, obwohl es dort gerade mal einen kleinen Lebensmittelshop und eine Apotheke gab.

Mit meinen Gastkindern (Mädchen (7) und 3 Jungs im Alter von 10, 11 und 12) habe ich gespielt, gelacht und einfach eine tolle Zeit verbracht. Man würde meinen, mit vier Kindern wäre es nicht so einfach… Die waren aber das geringste Problem.

Oft habe ich aber auch einfach nur aus dem Haus gehen wollen, da mir sonst alles zu viel geworden wäre. Deswegen habe ich oft auswärts gegessen, wofür ich leider große Mengen meines verdienten Geldes ausgegeben habe.

Anfangs war auch alles irgendwie so fremd.. Die Autos auf der linken Straßenseite, der ständig graue Himmel… niemand sprach Deutsch. Die Decke roch fremd. Auch wenn diese Dinge vielleicht banal klingen, all das war neu für mich und ich musste mich daran gewöhnen. Mit der Zeit wurde es auch immer besser.

In Dublin hatte ich ähnliche Aufgaben zu erledigen. In meiner Freizeit war ich oft auf der Grafton Street, eine Shopping-Straße vergleichbar mit der Wiener Kärntner Straße. Ungefähr alle 100m ist man auf Busker, Straßenmusiker, getroffen, die die Straße pulsieren ließen. Dort ein Ed Sheeran-Cover, da ein Sandkünstler. Hinten Hip-Hop Tänzer, vorne Obdachlose, die mit Kreide bunte Botschaften auf die Straßen schrieben.

5 || Würde ich wieder als Au Pair arbeiten?

Würde ich eine Familie finden, die wirklich perfekt passen würde, würde ich wieder als Au Pair arbeiten. Da es aber nicht möglich ist, über Skype, E-Mail oder SMS zu erkennen, ob die Familie wirklich perfekt ist, werde ich zukünftige Auslandsaufenthalte auf andere Art und Weise verbringen.

Au Pair sein ist nicht einfach, du trägst Verantwortung, hast ständig deinen Arbeitsplatz um dich herum und wenn du Pech hast, auch noch anstrengende Personen in deiner Gastfamilie. Du musst dir bewusst machen, dass das “Au Pair-Dasein” Arbeit und nicht kostenloser Urlaub bedeutet. Dass du schwere Zeiten haben wirst. Dass du deine Familie vermissen wirst und manchmal einfach nur nach Hause möchtest. Du musst dir aber auch darüber im Klaren sein, dass du Erfahrungen und Bekanntschaften machen wirst, die dir keiner so schnell nehmen kann. Dass dir Gastkinder einer Familie, die schon seit mehr als 12 Jahren Au Pairs im Haus haben, sagen, dass du das beste Au Pair bist, das sie jemals hatten. Dass du das beste Eis finden wirst, dass du jemals gegessen hast – Gino’s.

Außerdem wirst du Dinge aus ganz anderen Perspektiven sehen. Eine fremde Kultur kennenzulernen ist eine unglaubliche Bereicherung für dein Leben. Du wirst die Welt besser verstehen.

Jetzt spielt es auch noch das Lied im Radio, dass ich dort immer beim Sonnenuntergang am Meer gehört und mit den Kindern fast täglich gesungen habe (Photograph von Ed Sheeran). Die Erinnerungen flimmern mir vor den Augen.

Wegen der aktuellen Flüchtlingskrise stelle ich mir manchmal vor, ich wäre nach Irland gekommen, weil in Österreich Krieg herrscht. Ich wäre dort mit meinen Kindern angekommen, durch die Irische See wäre ich auf einem Holzboot gefahren, hätte mein ganzes Hab und Gut zuhause lassen müssen. Und ich reg’ mich auf, für 100€ putzen zu müssen?

Auf Dauer in einem anderen Land zu leben, reißt dir die Augen auf.


Da ich gerade draufgekommen bin, dass mein lieber Vater all meine schon ausgemisteten und bearbeiteten Fotos aus Irland gelöscht hat, kommen sie später nacb. (Glücklicherweise habe ich sie noch nicht von der SD-Card gelöscht. 3000 Bilder ausmisten – Auf ein Neues. Ganz ruhig bleiben.) 

Advertisements

10 thoughts on “Don’t worry… be happy – 2 Monate Au Pair in Irland. Ein Erfahrungsbericht

  1. Carolin says:

    Super interessanter Post! Ich bin im Moment auch in Dublin, denn ich studiere für 9 Monate am Trinity College 🙂
    Au-Pair hört sich auch sehr interessant an, wusste gar nicht, dass man das auch in Irland machen kann 🙂

    Liebe Grüße

    PS: Auf unserem Blog findet momentan eine Blogvorstellung statt. Ich würde mich sehr freuen, wenn du daran teilnehmen magst ❤

    http://nilooorac.blogspot.de/

    Liked by 1 person

  2. Wonderful.Moments says:

    Toller Erfahrungsbricht. Ich habe diese Erfahrungen ja nicht machen können.
    Wobei Arbeitszeit bis 13:00 / 14:00 Uhr echt toll ist 🙂
    Auch wenn man den Arbeitsplatz um sich herum hat, muss man dennoch nicht Pendeln usw. Das spart auch an Zeit 🙂

    Like

    • moragraphy says:

      Das stimmt! Da war ich echt dankbar, dass ich am Nachmittag immer frei hatte! Genau, da hast du Recht .) Du bist gleich da und brauchst nicht hin und her zu fahren. Hat natürlich auch seine Vorteile!
      Danke dir auf jeden Fall 🙂

      Like

  3. Berrytale says:

    Dein Erfahrungsbericht ist wirklich toll. Ich habe eine ganze Zeit überlegt nach Australien zu gehen, um dort auf einer “Känguru Ranch” als Au Pair zu arbeiten. Irgendwie ist daraus nie etwas geworden und nun bin ich 24 J. und fühle mich einfach zu alt dafür. Ich hätte es damals wirklich nach meinem Abi machen sollen… man bereut es irgendwie.
    Ich habe schon oft gelesen, dass einige Gastfamilien ihre “Mädchen” ausnutzen bzw. sie dort den ganzen Haushalt schmeißen, statt sich mit den Kindern zu beschäftigen… das finde ich immer sehr schade.
    Aber ich freue mich, dass deine Zeit trotzdem sehr schön war!
    Alles gute weiterhin 🙂

    Liked by 1 person

    • Melanie M. says:

      Oh das klingt aber sehr interessant! Ja, ich verstehe :/ aber ich glaube nicht, dass du schon zu alt dafür bist! Wenn es etwas ist, was du gerne machen möchtest, dann lass dich nicht davon abhalten! Ich versteh wenn es jetzt schwer ist noch Zeit zu finden neben dem Studieren/ Arbeiten oder was auch immer.. Aber wenn du es dir irgendwie ermöglichen kannst, würde ich dir sehr raten, so etwas zu tun! 🙂
      Ja das stimmmt, das habe ich auch schon so oft gelesen… Das einzige, was man tun kann, ist nur mehr die Familie zu wechseln, wenn es gar nicht mehr geht… So schade 😦
      Danke, das ist lieb!! 🙂 dir auch alles gute! 🙂

      Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s